Tennis-Hessenliga: ein Silberstreif
Die zweite Saisonhälfte in der Tennis Hessenliga der Herren begann heute – nachdem der TVH gestern spielfrei hatte – unter nicht so angenehmen Bedingungen: der Himmel war grau, es war kalt und zudem war Regen angesagt, ein unangenehm dunkler und zugiger Tag auf der Tennisanlage, in etwa entsprechend unserer Stimmung während ersten Hälfte der Saison 2011.
Denn keine Mannschaft war so schwer in die diesjährige Saison der Herren-Hessenliga gestartet, abgeschlagen befanden wir uns am letzten Tabellenplatz – Zeit also für die Haßlocher Sportverantwortlichen die bisherige Aufstellung zu prüfen und, wie im heutigen Fall geschehen, wo nötig nachzubessern. Neu hinzugekommen in unserer Mannschaft zum heutigen Spieltag ist Rodrigo Perez Appel, ein mit 22 Jahren junges Tennistalent aus Südamerika und aktuellem ATP Rang 834.
Die Einzel
Unser Einser Guillermo Hormazabal scheint langsam auf seiner gewohnten Betriebstemperatur anzukommen, am Wochenende traf er auf den Italiener Colangelo, der bereits seit Jahren in Diensten der Kasseler steht und sein internationales Ranking vor dieser Saison mit einigen Turnieren aufgefrischt hat.
Der groß gewachsene Italiener ist mit einem kräftigen Aufschlag und einer sicheren Vorhand ausgestattet, Guillermo griff deswegen regelmässig dessen Rückhand an und vollendete dann mit seiner eigenen, sehr druckvollen Vorhand – teils in beeindruckender Manier. In einem hochklassigen, von einer 15-minütigen Regenpause unterbrochenen Spiel, siegte Gillermo am Ende des dritten Satzes souverän mit 6:1.
Rodrigo Perez Appel bekam es bei seinem ersten Einsatz an Position 2 mit einem ausgesprochenen Routinier in der Hessenliga zu tun: der Kasseler Marc Leimbach ist jahrlanger Spitzenspieler für seine Mannschaft und in Hessen und Deutschland und obendrein für sein Engagement auf dem Platz bekannt – wer also bereits mehr als einmal bei der Hessenliga zugesehen hat, der wusste, das wird nicht einfach. Im dritten Satz war unser junger Athlet dank seiner Tournierroutine womöglich körperlich ein wenig ausdauernder und siegte daher mit einigem Abstand, die Zuschauer sahen allerdings ein Spitzenspiel, dass im Ballwechsel keineswegs so eindeutig verlief, wie es später auf dem Ergebnistableau zu lesen war.
Auf Position 3 nach hinten gerutscht nahm Gaston Giussani es mit Sascha Heinemann auf, der hatte in diesem Jahr zwar noch kein Match gewonnen, aufgrund seiner möglichen Spielstärke muss man ihn als Gegner allerdings immer ernst nehmen. Die Entwicklung im ersten Satz trug dieser Einschätzung auch Rechnung und das Ergebnis lautete 4:6 für den Kasselaner.
Danach legte unser Argentinier allerdings noch eine Schippe drauf und bewegte Heinemann bei noch höherem Tempo in die Ecken des Platzes – was in einer unerwarteten und unglücklichen Verletzung des Kasseler Spielers mündete – am Ende stand es auf diesem Platz 4:6, 6:4 und 6:0 für den TVH und das Spiel wäre ohne das Verletzungspech wohl nicht ganz so glatt zu unseren Gunsten verlaufen.
Ebenfalls um eine Stelle nach hinten gerückt, an Position 4, agierte Laslo Urrutia Knauer und tat sich gegen den Kasseler Sebastian Krauss nicht leicht. Nach einigen technisch bedingten Schwankungen kam er zu einem 6:4 im ersten Satz und profitierte dann von der zweiten verletzungsbedingten Aufgabe eines Kasseler Spielers, womöglich trug das nasskalte Wetter ja seinen Teil zur erhöhten Anfälligkeit der Spieler bei, wir wünschen den Protagonisten jedenfalls baldige Genesung und Rückkehr zum Spielgeschehen in den kommenden Partien.
An 5 stand unser Aaron Wirths dem ehemaligen Top 250-Spieler Neunteibl gegenüber und man hatte ein wenig den Eindruck, die Erscheinung des körperlich großen Österreichers löste etwas mehr Respekt aus, als unbedingt nötig gewesen wäre. Spiele dieser Art wird Aaron womöglich schon in der kommenden Saison einfach(er) für sich entscheiden, rein spielerisch wäre ihm mehr möglich gewesen als ein 2:6, 3:6 zu Gunsten des TC Kassel.
Und schliesslich hatte Kai Lemke an Platz 6 der Aufstellung Christopher Amend als Gegenüber, wie viele seiner kasseler Mannschaftskollegen ein Routinier in der Hessenliga und in seinem ersten Jahr noch eine klein wenig zu große Aufgabe für unseren Kai – wie sich im zweiten Satz zu unserer Freude wieder einmal gezeigt hat, hat Kai aber nicht aufgesteckt und sich zum 5:7 Endergebnis herangekämpft.
Doppel
Man kann die Doppel kurz zusammenfassen: einige Zuschauer sahen schon wieder enge Spiele und – zugegeben – unsere Doppelstärke war bisher kaum vorhanden, dieses Doppelgespenst ist aber vertrieben.
Die Last der Verletzungen lag wohl merklich auf den Kasseler Spielern und alle drei Doppel gingen an den TVH, das ist in 2 der Partien aber auch dem eigenen Können der TVH-Spieler zu verdanken: Hormazabal/Perez Appel zeigten ein sehr gutes Spiel gegen “eines der besten einser Doppel in der Hessenliga” und im zweiten Match waren unsere Giussani/Urrutia Knauer ebenfalls den Gegnern auf dem Platz sichtbar überlegen. Das dritte Doppel profitierte erneut von der Verletzung von Sascha Heinemann, der die Partie nach bewiesenem Durchhaltewillen im Einzel dann schliesslich doch mit ernsthaften Beschwerden abbrechen musste.
Fazit
Mit den Kasselern verbindet uns, dass wir ab und an beide im hinteren Tabellenfeld rangieren und daher meist sehr enge Wettkämpfe austragen, auch diesmal wieder in sportlich fairer Atmosphäre und auf Augenhöhe. Es scheint auch jeweils einen gewissen Heimvorteil durch starke Zuschauerkulissen zu geben: in Kassel gewannen bisher die Kasseler, in Rüsselsheim bisher immer wir und die gute Stimmung auf den jeweiligen Heimplätzen gibt den Partien stets einen besonderen Schwung.
Deutlich zu unserem Vorteil hat sich allerdings ausgewirkt, dass die Mannschaft des TC 31 Kassel von einem ungewöhnlichen Verletzungspech heimgesucht wurde, gleich 2 Spieler fielen aus und das ermöglichte uns zwar einen guten und punktreichen Erfolg, liess uns aber auch nicht vollständig das Leistungsvermögen unserer umgestellten Mannschaft erfassen.
Die Punkte waren für uns sehr wichtig und haben uns von einem Absteigsplatz weggerückt, allerdings hoffen wir auch den TC Kassel in der Hessenliga 2012 wiederzutreffen.
Ausblick
Die Situation bleibt weiterhin gespannt und natürlich kann man sich mit einem Sieg nicht in Sicherheit wiegen – 3 Siege zum Klassenerhalt gelten als statistisches Mittel aus vielen Jahren Hessenliga-Erfahrung und daher muss noch mehr gepunktet werden. Es ist also noch nichts gewonnen, aber ein Anfang gemacht!
In dieser Woche startet der einzige Mittwochsspieltag der Saison, an dem treten wir beim TC Rosenhöhe Offenbach an und die haben am vergangenen Wochenende die bisher so starken Wiesbadener geschlagen – es muss also weiterhin am Limit gearbeitet werden.
Pressestimmen
Echo-Online – Gutes Gefühl und ein Trumpf im Ärmel (18.07.2011)
Echo-Online – Die Gladbacher machen Wingert Mut (15.07.2011)
Main-Spitze – Das Ass im Ärmel sticht (18.07.2011)
Main-Spitze – Borussia hat‘s vorgemacht (15.07.2011)
Veröffentlicht in Hessenliga am 18. Juli 2011 um 19:16 von Henning T. Heil
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